Porträtbild von Fabian Kraatz mit Textoverlay "Hire This (Ger)man"

Case Study

Hire this (Ger)man: Erfolgreicher Selbstversuch und Start von kraatz digital.

Wie findet man von Deutschland aus einen australischen Arbeitgeber, der einem dazu noch das nötige Visum sponsert? Diese Frage stellte ich mir Anfang 2024 – und launchte eine LinkedIn-Guerrilla-Kampagne, um einen Visa-Sponsor zu finden. Das Ergebnis: Überwältigend positives Feedback, wertvolle Leads und eine Conversion, die der Impuls für meine Tätigkeit als selbstständiger Marketingberater wurde.

„Planning to move to Australia because I'm tired of German beer."

Hintergrund: Umzug geplant

Es ist Anfang 2024. Meine Frau und ich haben ein Ziel: Wir wollen für einige Jahre nach Australien ziehen. Das Land begeistert uns schon lange, jetzt wollen wir diesen Plan in die Tat umsetzen. Die größte Herausforderung: Das Visum. Australien ist notorisch streng bei der Vergabe von Visa. Die Liste an Kriterien, die man als Bewerber erfüllen muss, ist lang.

Doch es gibt Chancen: Für gewisse Berufe ist es möglich, ein employer-sponsored visa zu erhalten – ein Visum, das von einem australischen Unternehmen gesponsert wird und zwei Jahre ermöglicht, in Australien zu leben und zu arbeiten, Ehepartner inklusive. Dafür muss der Beruf auf einer speziellen Liste stehen. Zum Glück ist “Marketing Specialist” dabei. Der Weg ist also klar. Fehlt nur noch das Visum.

Aber wie findet man einen Arbeitgeber am anderen Ende der Welt? Es gibt auch ohne mich genug Marketingspezialisten auf dem australischen Arbeitsmarkt und dazu habe ich zwei Handicaps. Das erste: 15.000 Kilometer Entfernung erschweren persönliche Vorstellungsgespräche. Das zweite: Um überhaupt ein Visum sponsern zu können, müssen australische Unternehmen einen Registrierungsprozess durchlaufen, der zeit- und kostenaufwändig ist.

Kurzgesagt: Es ist unwahrscheinlich, dass ich ein passendes Unternehmen finde. Also ist Kreativität gefragt! Ich entscheide mich für eine Zweckentfremdung der LinkedIn Marketing Suite. Sie ist eigentlich dazu da, dass Unternehmen Werbung schalten können. Ich werde sie nutzen, um Werbung für mich als potenziellen Mitarbeiter zu machen – direkt bei Marketingentscheidern in australischen Unternehmen.

Showcase

KPI

628,12€

Budget eingesetzt

1,73%

CTR

239

Reaktionen

1

Auftraggeber gewonnen

Winning Creatives

Kampagnenkonzept

Um “Hire this (Ger-)man” ins Rollen zu bringen, definierte ich zunächst das Konzept der Kampagne.

Marketingentscheider. Ich entscheide mich bewusst gegen HR-Manager als Zielgruppe, da ich glaube, dass der kreative Ansatz meiner Kampagne an ihnen verloren geht. Meine Hypothese: HR-Manager kann ich bestenfalls durch meinen CV überzeugen – Marketingentscheider durch meinen CV und die Kreativität der Kampagne. Und Marketingentscheider, die senior genug sind, haben wahrscheinlich die nötige Hiring Power, um mich in ihr Team zu holen.

Landing Page: Für die Kampagne brauche ich eine Zielseite, auf der ich mein Anliegen mit allen nötigen Details erklären kann – denn auf den Ads muss der Fokus beim Wesentlichen liegen. Also erstelle ich eine Landing Page auf kraatz.digital, die unter anderem ein kurzes Vorstellungsvideo, einen Überblick über meine Skills, FAQs und ein Kontaktformular enthält, über das mein voller CV heruntergeladen werden kann.

LinkedIn Ads: Für meine Zielgruppe macht Werbung auf LinkedIn mit Abstand am meisten Sinn. Um die kreativen Muskeln, die für die Kampagne nötig sind, optimal spielen zu lassen, erstelle ich Image Ads mit Link zur Landing Page auf kraatz.digital. Message Ads oder On-Platform-Lead Forms machen hier keinen Sinn, da sie den kreativen Spielraum limitieren.

LinkedIn-Unternehmensseite: Um überhaupt Ads auf LinkedIn schalten zu können, erstelle ich eine Unternehmensseite für kraatz digital. Sie erfüllt sonst keinen weiteren Zweck.

Nicht nur Entscheider. Meine Zielgruppe sind Marketingentscheider, doch ich inkludiere bewusst auch Marketingexperten auf niedrigeren Karrierestufen (ab “Manager”). Ich hoffe, dass sie für zusätzliches Engagement auf der Ad (Likes, Kommentare) sorgen und so meine Reichweite multiplizieren, ohne dass es mich zusätzliches Budget kostet.

Alle Unternehmen: Zunächst targete ich nur Unternehmen, die auf einer öffentlich verfügbaren Liste als australische Visa-Sponsoren ausgewiesen sind. Da Zielgruppe & Performance aber zu wünschen übrig lassen, erweitere ich das Targeting schnell auf alle Unternehmen in Australien, unabhängig von Größe oder Sponsorenstatus. Auch hier der Plan: Der zusätzliche Spread sorgt hoffentlich für zusätzliche, unbezahlte Reichweite. 

Professionell, persönlich, unterhaltsam. Das Messaging der Kampagne muss mehrere Kriterien erfüllen. Ganz zentral muss es klarmachen, dass ich ein professioneller Marketer mit relevanter Expertise für einen australischen Arbeitgeber bin. Die erste Hire this (Ger-)man-Ad war 100% auf diesen professionellen Ansatz fokussiert – und versagte komplett.

Ich erkannte: Professionalität allein reicht nicht, denn durch sie fällt eine Ad nicht auf. Die v2 der Hire this (Ger-)man-Ads korrigierte diesen Fehler durch unterhaltsame Copy, die nicht ganz glaubwürdige Gründe für meinen Plan, nach Australien auszuwandern, enthielt (s. Showcase). Das war der Wendepunkt für die Kampagne und zeigt wieder einmal, dass Humor im Marketing immer einen Unterschied macht, solange er richtig eingesetzt wird.

Professionalität, Unterhaltung und die persönliche Ader auf der engen Fläche einer LinkedIn-Ad zu verbinden, war keine leichte Challenge – die ich mit meinen Winning Ads jedoch meistern konnte:

  • Professionalität: Value Propositions unterhalb der Grafik (z.B. “native-level English”) 
  • Persönlichkeit: Grafik, auf dem mein Gesicht den Großteil der Fläche einnimmt
  • Unterhaltung: Copy oberhalb der Grafik, unter anderem mit Bier- und Vegemite-Fokus

Minimalbudget & Maximalgebot. Für “Hire this (Ger-)man” gibt es zwei Parameter, die meine Budgetstrategie bestimmen: Ich möchte so wenig wie möglich ausgeben und habe keinen Zeitdruck. Die Kampagne kann also mit Minimalbudget über mehrere Wochen und Monate laufen. Deshalb setze ich das Budget auf 10€/Tag.

Um die Effizienz zu optimieren, setze ich außerdem ein manuelles Maximalgebot von 0,30€ pro Klick, das ich im Laufe der Kampagne leicht nach oben anpasse. LinkedIn empfiehlt bei meiner Zielgruppe 22,83€. Am Ende der Kampagne liegt mein durchschnittlicher CPC bei 0,54€.

Hire this (Ger-)man: Brief

Ziel

Employer sponsored-Visa und Marketing-Job in einem Unternehmen in Australien kriegen. 

Strategie

Marketingentscheider überzeugen, dass es sich trotz Visakosten und geografischer Entfernung lohnt, mich einzustellen.

Taktik

Persönlich überzeugen, nicht nur professionell. Tone of voice auf abenteuerlustige Entscheider / Unternehmen zuschneiden. Nicht nur CV muss überzeugen – auch Kampagne.

Performance: Besser als erwartet.

Nach dem Launch von “Hire this (Ger-)man” nach dem beschriebenen Konzept und einigen Nachjustierungen war klar: Diese Kampagne war mein Best Shot – und der traf ins Schwarze. Für mich war der eindeutigste Indikator dafür zunächst nicht die Performance meiner Landing Page, sondern das Engagement meiner Audience unter den Ads.

Meine Werbeanzeigen begannen, in pucto Likes und Kommentaren besser zu performen als die meisten organischen Content Pieces auf LinkedIn. Ich hatte in 6+ Jahren als B2B-Marketer noch nie Werbeanzeigen mit so viel Engagement gesehen – meine Best Performing Ad verzeichnete zum Kampagnenende 84 Reaktionen, 16 Kommentare (Differenz zum Showcase-Screenshot = meine Antworten) und 2 Reposts bei einem Ad Spend von 165,19€.

Die quantitative Leistung ist das eine, doch die qualitative Performance war das wirklich Besondere. Fast 100% aller Kommentare meiner Audience waren positiv – von starkem Feedback zur Ad über Daumendrücken für meinen Umzug bis hin zu konkreten Hilfsangeboten und Gesprächseinladungen. 

Das goldene Ticket?

Die ersten Conversions auf der Landing Page folgten. Insgesamt verzeichnete Hire this (Ger-)man vier Conversions, bei denen Interessenten meinen Lebenslauf downloadeten und ihre Kontaktdaten hinterließen. Alle waren CMOs oder CEOs von Startups oder KMUs (bis 100 Mitarbeiter). Jeder Lead erhielt von mir eine Follow-up-E-Mail mit einem Gesprächsangebot. Einer der vier nahm das Gesprächsangebot an.

Das Unternehmen plante, in den deutschen Markt einzutreten und suchte nach einem Marketingexperten mit mehrjähriger Erfahrung, der bilingual Deutsch und Englisch beherrscht, sich mit deutschen Märkten und Kunden auskennt und den den Markteintritt als Marketing-Allrounder in Themenbereichen von Digital Marketing bis SEO vorantreibt, vom Unternehmensstandort in Melbourne aus.

Jackpot? Die Erstgespräche liefen vielversprechend und es war schnell klar, dass die Bedürfnisse des Unternehmens und meine Erfahrung als Marketer gut zueinander passen würden. Aber einen Bewerbungsprozess auf 15.000 Kilometer Entfernung durchzuführen ist nicht leicht und die gegenseitige Evaluierung dauerte verständlicherweise einige Wochen – länger als viele inländische Bewerbungsprozesse.

Dann war klar: It’s a match. Das Unternehmen wollte mich als Marketingspezialisten gewinnen und mir das australische Visum sponsern – und ich wollte natürlich gesponsert werden und mit meiner Frau nach Australien ziehen. Doch das Unternehmen war noch nicht als Sponsor registriert. Dieser Prozess kann eine Weile dauern, was auch der Fall war. Inzwischen war es Ende 2024. Die Dinge bewegten sich langsam, aber sicher in Richtung Visaerhalt, Vertragsabschluss und Migration.

Plot Twist und Plan B.

Doch Anfang 2025 geschah das Unerwartete: Meine Frau und ich mussten aufgrund einer Änderung im privaten Umfeld die Pläne für einen Umzug nach Australien aufgeben. Was bedeutete das für den Anbahnungsprozess mit dem potenziellen Sponsor, in den ich über die letzten Monate viel Zeit und Geld investiert hatte?

Bei der Neubewertung der Situation entwickelte ich einen Plan B: Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon einige Zeit lang mit dem Gedanken gespielt, mich als Marketingberater & -umsetzer selbstständig zu machen. Doch der letzte Impuls fehlte, um diese Pläne in die Tat umzusetzen. Bis jetzt.

Könnte diese Situation der fehlende Impuls sein? Würde mein Sponsor in Erwägung ziehen, mich als selbstständigen Experten in Deutschland zu beauftragen und eine projektbasierte Zusammenarbeit auf Long Distance zu beginnen? Wäre das der Moment, an dem meine Laufbahn als Selbstständiger beginnt?

Es war der Moment. Ich schilderte meinem potenziellen Sponsor die Situation – und traf auf Verständnis und Interesse an meinem Lösungsvorschlag. Auch wenn der Vertragsprozess noch einmal aufgerollt und an die neuen Bedingungen angepasst werden musste, waren beide Seiten bestrebt, die Zusammenarbeit auf diese Weise umzusetzen.

Und dann?

Nachdem alle Punkte geklärt waren, war es nun an mir, die bürokratischen und rechtlichen Aspekte meiner Selbstständigkeit vorzubereiten. Am 01.06.2025 war es soweit – ich ging in Form von kraatz digital als Marketingberater & -umsetzer für KMU & Mittelstand an den Start, direkt mit einem spannenden, internationalen Kundenprojekt auf meiner Agenda.

Hire this (Ger-)man hatte sein Ziel erreicht, auch wenn dieses etwas anders aussah als noch zu Beginn der Planung. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Case Study im Dezember 2025 hat sich die Zusammenarbeit mit meinem australischen Auftraggeber bewährt: Der Markteintritt 2025 war ein Erfolg und gegenwärtig ist die Strategie für 2026 in Entwicklung.

Ich unterstütze meinen Klienten in den folgenden Themenbereichen:

Kreisdiagramm mit einem hervorgehobenen Stück und Springer-Symbol, um Strategie zu symbolisieren

Marketingstrategie

Beratung zu Marktbedingungen, Kundenbedürfnissen und Wettbewerb im Segment des Klienten, um eine ideale Marktpositionierung zu sichern.

Bildschirm mit Dollarzeichen und Mauszeiger drauf

Digital Marketing

Umsetzung von profitablen digitalen Marketingkampagnen für den deutschen Markt auf Facebook, Instagram und Google, um Umsätze zu steigern.

Laptop, auf dessen Bildschirm eine Lupe mit Auge im Mittelpunkt zu sehen ist

SEO & E-Commerce

Lokalisierung, SEO- & UX-Optimierung des englischen Shops des Klienten, um ideal auf die Bedürfnisse deutscher Kunden ausgerichtet zu sein.

Glühbirne mit Zielscheibe im Zentrum, in der ein Pfeil steckt. Bullseye!

Creative & Content

Entwicklung lokaler Kampagnen, die nativ für die deutsche Zielgruppe entwickelt sind, inklusive Konzeption, Content Creation und Influencer Relations.

Icon eines Rechtsdokuments mit Stift daneben

Marketing Legals

Beratung zur DSGVO-konformen Gestaltung von Geschäfts- & Marketingprozessen für den deutschen Markt, um rechtssicher zu agieren.

Stilisierte Figur eines Menschen, von drei geometrischen Formen umgeben

Marktforschung

Durchführung von Fokusgruppen und Umfragen, um Erkenntnisse über lokale Kundenbedürfnisse hinsichtlich der Produkte des Klienten zu gewinnen.

Wussten Sie schon?

DSGVO Article 27 Representative: Pflicht für manche Unternehmen.

Wenn Ihr Unternehmen in der EU regelmäßig personenbezogene Daten verarbeitet (also Geschäfte macht), aber keinen Sitz in der EU hat, sind Sie verpflichtet, einen Article 27 Representative zu ernennen, der für Sie als Anlaufstelle in der EU für alle DSGVO-bezogenen Anfragen fungiert, zum Bespiel von Behörden und Kunden. Dieser Vertreter muss in einem der EU-Mitgliedsstaaten niedergelassen sein. Sie können diesen Service von mir beziehen.

Zahlungsmethoden in der EU: Unterschiedlicher, als Sie denken.

In manchen Hinsichten (z.B. DSGVO) gelten in allen EU-Ländern (fast) die gleichen Regeln – in anderen nicht. Zum Beispiel die beliebtesten Zahlungsmethoden im E-Commerce: Wenn Sie in Deutschland keinen Kauf auf Rechnung anbieten, verlieren Sie Kunden: Über 25% bezahlen so am liebsten. In anderen EU-Ländern spielt das gar keine Rolle. Weitere Beispiele: Die Bezahldienste iDEAL (Niederlande) oder Bancontact (Belgien) – in ihren Länden unverzichtbar (iDEAL: 60%, Bancontact: 40% Umsatzanteil im E-Commerce), anderswo irrelevant.

Gesetzliches Widerrufsrecht nach DSGVO: Sehr streng.

In allen EU-Länden haben Kunden ein starkes gesetzliches Widerrufsrecht, das fast alle Produkte einschließt: Sie dürfen jede Bestellung innerhalb von 14 Tagen widerrufen und müssen den vollen Kaufpreis zurückerhalten. Wenn Unternehmen das nicht anbieten oder ihre Kunden nicht darüber informieren, drohen unmittelbare Konsequenzen: Die Widerrufsfrist für alle Kunden, die vor der rechtskonformen Einführung der Widerrufsfrist bei Ihnen bestellt haben, verlängert sich automatisch auf 14 Tage + 12 Monate – ohne, dass Sie etwas dagegen tun oder Anspruch auf Wertersatz bei Abnutzung einer Rückgabe erheben können. 

Etwas für Sie dabei?

Ihr Unternehmen benötigt Unterstützung in einem oder mehreren der oben genannten Themenbereiche und Sie suchen nach einem geeigneten Dienstleister? Sprechen wir miteinander! Senden Sie mir gerne eine Anfrage über das folgende Kontaktformular und ich melde mich bei Ihnen für ein Erstgespräch zurück.

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Über den Autor

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Fabian Kraatz

Vielseitig, pragmatisch, kreativ: Fabian Kraatz ist der Archetyp des t-shaped Marketers. Seit Beginn seiner Karriere 2019 hat er gezielt Expertise in den Themen aufgebaut, die im modernen Marketing wichtig sind: Klassische Marketingstrategie, Digital Marketing und SEO. Nach mehreren beruflichen Stationen in B2B-Unternehmen setzt Fabian seit 2025 seine Fähigkeiten als selbstständiger Marketingberater gewinnbringend für Mittelstands- & KMU-Kunden ein. Auch wenn der Umzug nach Australien vorerst nicht geklappt hat, ist Fabian weiterhin großer Fan des Landes, bewiesen durch gelegentliches Aussie Cosplay im Outback (siehe Foto).

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